Kleider machen Leute

Blog

Kleider Machen Leute

pastedGraphic.png

Man kann seinen Kleiderschrank an einem Wochenende komplett verändern, um ein neuer Mensch zu werden, um sich wirklich zu verändern bedarf es jedoch weitaus mehr – das ist ein Prozess.

So oder so ähnlich verstehe ich den Satz und habe es auch selbst erlebt. Wir Menschen urteilen recht schnell nach dem ‚Äußeren‘ – hast du was, bist du was, zeigst du dies nach außen, kannst du dir was leisten.

Doch so ist es längst nicht mehr.

Viele stürzen sich in Schulden, weil sie nach außen ‚mithalten‘ wollen, und bloß nicht zeigen möchten, dass sie sich die Designerhandtasche konservativ kalkuliert eigentlich nicht leisten könnten, da es ihr halbes Brutto in Anspruch nimmt.

Konsumentenkredite steigen und häufig aus dem einfachen Grund, jemand zu sein der man nicht ist. Kleidung wird schnell zu einer Schuldenfalle, weil eben diese geflügelte Weisheit: Kleider machen Leute immer noch von den meisten so gesehen wird.

Bei genauerem Betrachten ist es meiner Meinung nach aber genau ‚Leute machen Kleider‘. Ich trage eben letzten Endes doch am liebsten das, wonach ich mich auch fühle und wer ich letzten Endes bin. Ich sage dazu: Kleidung sollte ‚Second Skin‘ sein. Kann ich mich in meinem ‚Second Skin‘ wirklich wohlfühlen, wenn ich weiß, dass mein Kühlschrank 2 Tage vor Monatsende leer ist? Oder ich noch einen Kredit aufnehmen muss, ist ja nur ein kleiner, um jemand vorgeben zu sein, der ich nicht bin?Diese Illusion die wir uns schaffen, durch die shiny facade eines Wanna-Be da-seins bringt uns in einen Teufelskreis. Einmal drin gelandet, dass wir Marken brauchen, um uns stark zu fühlen, vergessen wir, wer es ist, unter dem dem second skin und was unsere wahre Persönlichkeit ist. 

Wir ‘verkleiden’ uns gerne und das nicht nur zu Halloween oder Karneval, häufig tun wir dies so oft, dass wir vergessen haben, wann wir es nicht tun. Wir stopfen ein Loch, welches uns nicht zu einem anderen oder besseren Menschen macht sondern uns vergessen lässt, worum es bei fashion geht. 

Das Virus COVID-19 was uns alle beschäftigt, beschäftigt natürlich auch unseren Kleiderschrank. Plötzlich sind wir nicht mehr im Stande mit dem Aufzufahren was wir anzubieten haben – zumindest nich in der ‘echten’ Welt. Vielmehr flüchten wir uns jetzt nach ‘drinnen’ und verwenden mehr Zeit darauf, in einem perfekten Selfie-Moment zu leben. 

Aber Vorsicht! Wir verstärken diese Illusion dadurch, dass wir nur das Sichtbare herausputzen, aber nicht das verkörpern. 

Oben Hui! Unten Pfui!, sagte meine Großmutter immer. Aber ist es nicht das, was wir in Zeiten der Ausgangssperren und häuslicher Isolation auch außerhalb Corona tun? Ab ind die Jogging-Hose und live the illusion! Karl Lagerfeld wurde häufig zitiert ‘wer Jogginghose außerhalb Sport und seinen 4-Wänden trägt, hat den Halt verloren’. 

“Man KANN SEINEN KLEIDERSCHRANK ÜBER NACHT ÄNDERN – NICHT SEINE PERSÖNLICHKEIT” (mein Mann)

Wenn wir schon von ‘Clichees’ sprechen… Sind Highheels also die Unterdrückung der Frauen? 

Ganz klar NEIN!

Keiner zwingt uns in High-Heels, sondern wir tragen sie freiwillig.

Außerdem schaut man sich den Ursprung der High-Heels an, waren es damals sogar mächtige Männer wie Louis XIV der als erstes High-Heels trug. Er tat dies ganz sicher nicht aus einem Zwang.

Manche dieser Diskussionen sind für mich, too much.

Frauen und Männer sind unterschiedlich und das ist auch gut so. Schlimm wäre es doch, wenn wir alle gleich aussähen und gleichgeschaltet wären, meiner Meinung nach.

Und sich schön kleiden und die Kunst zu besitzen in High-Heels laufen zu können, ist doch etwas schönes?! Sieht meiner Meinung nach viel ästhetischer aus als mit Sneaker zu einem Kostüm oder Kleid. Es geht am Ende des Tages um meine ganz persönliche Entscheidung.

Ich liebe den Mix: Mal Sneaker, mal High-Heels, mal Flats, mal boots, ganz nach dem, wie man sich fühlt. Ich war tatsächlich vor einigen Jahren eine der ersten Frauen im Büro, die Sneaker zu einem Kostüm kombinierten. Aus einer Laune heraus. Trotzdem liebe ich meine High-Heels und trage sie mit Stolz.

Aber am Ende des Tages ist dies nicht der Punkt. Ich entscheide, und niemand sonst für mich… ich glaube heute habe ich mal wieder Lust auf Absätze…die Entscheidung liegt ganz bei mir, denn ich entscheide jeden Tag neu, wer ich bin.

Über diese Frage, ob ‘Kleider machen Leute’ auf jeden zutrifft habe ich mir zu Beginn unserer Reise mit fashionXact Gedanken gemacht.. Jeder Mensch macht sich Gedanken um Mode ob bewusst oder unbewusst.

Für die einen ist es ein unterstreichen der Persönlichkeit, für andere ist es einfach ein Statement und für wieder andere verbunden mit verschiedenen ‚Rollen‘.

Will ich als besonders ‚Locker‘ wahrgenommen werden, besonders ‚Chique‘ besonders ‚Reich‘.. Kleidung ist und bleibt eine bewusstet/unbewusste Kategorisierung für viele Menschen. Jedoch ist das häufig nur das, wie wir von dieser Welt ‚wahrgenommen‘ werden wollen.

Nach dem Motto: Man kann an einem Wochenende den Kleiderschrank einer Person ändern, den ‚Stil‘ zu ändern ist jedoch ein Prozess…

Mode als second skin, nicht als Maskerade!